Category Archives: Reim

Alliteration

Ein heißes Hemd hab ich hier an – hübsch hässlich.
Es grinst so grell, so grauenvoll grün grässlich.
Ach, all die alten Ampeln – allerhand!
Rasch rüberrasen, Rolf, bei Rot? Rasant!

(Stabreim: h, h , h , h…, gr, gr, gr, gr…, a, a, a, a….; wirkt aufdringlich, wenn man’s übertreibt, → Dithyrambus; vergleiche → Assonanz, Lautmalerei, Klangdehnung)


Grünem Hemd auf grauer Straße || folgte Gram bei Rot.

(dies Beispiel folgt dem “germanischen Langvers” [Anvers – Zäsur – Abvers → Hildebrandslied]; Stabreim später auch imitiert von Richard Wagner)

(Aus dem Hildebrandslied, ~835: “hıltıbrant entı hadubrant || untar herıun tuem” [Althochdeutsch] = Hildebrand und Hadubrand || zwischen zwei Heeren [“unter Heeren zweien”])

Assonanz

Grn blühte sße Hemdenzier,
als blass ich auf die Straße trat.
Rot drohten schon Verbote mir.
Rasch übersprang ich die Fassad.

(Anklang [von gleichen Vokalen in betonten Silben]: ü, ü, ü…, a, a, a,…, o, o, o…; vergleiche → Alliteration, Lautmalerei, Klangdehnung; sehr sinnlich – kann aber auch kitschig wirken; häufig bei Brentano und anderen Romantikern [“Singt ein Lied so süß gelinde, / Wie die Quellen auf den Kieseln, / Wie die Bienen um die Linde / Summen, murmeln, flüstern, rieseln.”)

Brentano 2

Clemens Brentano

Anfangsreim + Endreim

Beglückt ging ich so um halb vier
entzückt in Grün durch mein Revier.
Verrückt lief ich bei Rot. Oh Graus –
zerstückt lieg ich im Leichenhaus.

(gibt der Zeile eine klare Form; der Endreim wirkt wie die Kadenz in der musikalischen Periode: hier erste und dritte Zeile “Halbschluss”, zweite und vierte “Vollschluss” )

Beispiel einer musikalischen Periode (Wikipedia):

Periode

Binnenreim + Inreim + Mittenreim

Mein Kleid zerzaust, grün und verlaust,
bin ich heut durch die Leut gebraust,
sehr ungescheut saust’ ich erneut
bei Rot hinüber, recht zerstreut.

(Reim innerhalb der Zeile; Zeileninneres und -ende reimen; Zeilenende und Inneres der benachbarten Zeile reimen; sehr üppig, kann integrierend aber auch leicht aufdringlich oder witzig wirken)

(Wilhelm Busch)

Übergehender Reim

Eitel? Niemals! Doch in feiner,
reiner und hübsch grüner Seide
kleide ich mich gerne. Fesche
Wäsche schenkt mir Selbstvertrauen.
Frauen zucken mit den Brauen,
schauen sie auf mich, und schlucken.
Gucken? Nein! Ich schreite heiter
weiter und gelassen rüber
über die Chaussee bei Rot.

(Versende reimt mit Anfang des nächsten; erzwingt Zeilensprung; außerordentlich “synkopisch”, erzeugt einen tanzenden, “punktierten” Rhythmus, der unruhig, meist auch lustig, wirkt)